„Der erste Diener im Staate“


Konrad Pochhammer
Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt

Friedrich der Große wollte der „Erste Diener in seinem Staat“ sein. Er wurde zu dem einzigen Intellektuellen auf einem europäischen Thron. Anlässlich seines 300. Geburtstages am 24. Januar 2012 schreibt die große deutsche Wochenzeitung Die Zeit: „Um Friedrich ist alles hell. Hell erstrahlen seine Taten, Kriegsruhm und Reformen, Toleranz und demütige Pflichterfüllung. Hell ausgeleuchtet sind seine Untaten, Rechtsbrüche, Willkür, Jähzorn und zynische Spottlust.“ Besser kann man die ambivalente Persönlichkeit von Friedrich dem Großen nicht beschreiben. Diese Ambivalenz zeigt sich vor allem darin, dass er zum einen als der größte Anhänger der Aufklärung gilt, aber gleichzeitig zum anderen am absolutistischen Herrschaftswillen festhielt.

Seine Reaktion zu den republikanischen Ideen seiner Zeit quittierte er mit der Bemerkung: „ Wenige Menschen denken, und doch wollen alle entscheiden“.

Was nützt nun die Rückschau auf einen längst verstorbenen großen europäischen Monarchen? Nützt sie etwas, um unsere Gegenwart besser zu verstehen? Können wir dabei vielleicht eine Art Blaupause zur Lösung unserer aktuellen Probleme finden? Hier antworte ich mit einem klaren Jein.

Schauen wir uns z. B. die EU-Schuldenkrise an, die uns seit vielen Monaten fast täglich beschäftigt und die Spitzenpolitiker in Europa ordentlich auf Trab hält. Vor allem die südeuropäischen Staaten, die sich rund um den nördlichen Teil des Mittelmeeres aneinanderreihen, haben sich durch die Politik ihrer Politiker, die allesamt mit einem ausgeprägten Hang zu Imponiergehabe und einer übergroßen Portion Narzissmus ausgestattet sind, ganz ohne Not selbst in diese bedrohliche wirtschaftliche und finanzielle Lage gebracht. Der Freiherr von und zu Guttenberg stürzte jäh vom Sockel, auf den ihn eine allzu naive Öffentlichkeit schnell gehoben hatte. Seine steile politische Karriere, die frei nach dem Motto „mehr Schein als Sein“ verlief, gaukelte den Bürgern zunächst etwas vor, wonach sie sich sehnten. Die inzwischen unerträgliche Causa Wulff liegt wohl möglichweise darin begründet, dass hier ein Politiker weit über die eigenen persönlichen Fähigkeiten hinaus politisch Karriere machte und ihn schließlich in ein Amt hob, das er wohl nicht ganz ausfüllt. Bei so vielen titelversessenen, selbstverliebten und eitlen Politikern fällt einem noch ein Zitat von Friedrich dem Großen ein: „Die Titel sind nur Zierde für Alberne; große Männer brauchen nur ihre Namen.“ Wohl wahr.

In diesen turbulenten Zeiten wünschte man sich und dem Gemeinwesen, ganz gleich, ob nun auf Landes- oder Bundesebene oder auf europäischer Ebene, dass mehr Intellektuelle sich den politischen Aufgaben zuwenden. Dann stünden sie und ihre Arbeit in hellem Licht, und der Souverän, nämlich das Volk, könnte sich selbst ein Bild von den politischen Akteuren und ihrer Arbeit machen. Insoweit hatte Friedrich der Große damals vieles richtig gemacht, allein er war ein nicht von seinem Volk gewählter König.

Ich wünsche uns allen zum neuen Jahr, dass sich gute Politiker mit ihrer richtigen Politik durchsetzen werden und dabei ein vernünftiges Maß finden für die Ansprüche und Verpflichtungen von Staat und Bürger.

Herzlichst Ihr

Konrad Pochhammer


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