Wird der Konsum zur Konjunkturstütze?

Dr. Wi.-Ing. Jörg Winkler
Der Aufschwung in Deutschland hat sich gegenüber 2006 etwas abgekühlt. Trotzdem geht das ifo Institut für 2007 von einem robusten Wachstum des BIP von 2,6% aus. Im 1. Quartal haben die Industrieproduktion, der Dienstleistungssektor und das Bauhauptgewerbe kräftig zugelegt. Nur die Bereiche Handel, Gastgewerbe und Verkehr waren mit -1,1% rückläufig. Ursache ist der schwache private Konsum.
Für das Gesamtjahr 2007 gehen die Forscher von einem Wachstum des privaten Konsums von 0,3% aus. Das ist zu wenig, um die unbefriedigende Entwicklung der letzten Jahre zu kompensieren.
Im 2. Halbjahr 2006 war die "Mehrwertsteuerkonjunktur" nur ein Strohfeuer. Die Situation hat sich für den Handel und die inländische Konsumgüterwirtschaft nicht fundamental geändert. Das Argument der MwSt.-Erhöhung für die Kaufzurückhaltung der Konsumenten greift zu kurz.
Der private Konsum in Deutschland leidet an der massiven Verunsicherung der Bürger. Auf die zunehmende Komplexität der Wirtschaft und der Gesellschaft reagiert die Politik nicht mit ganzheitlichen Konzepten, sondern mit einem Strauß an Einzelmaßnahmen. Ständig werden neue Thematiken aufgegriffen, aber nur augenscheinlich gelöst.
Aus jüngster Vergangenheit sind die Feinstaubverordnung, die CO2-Debatte und die Deregulierung der Energiemärkte zu nennen. Zusätzlich verunsichern die Dauerthemen soziale Sicherheit, Gesundheit und Altersvorsorge die Bürger. Die Konsumenten reagieren auf die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen, indem sie Rücklagen bilden und sparen.
Besonders stark zeigt sich die Zurückhaltung der Konsumenten an der Entwicklung der privaten PKW-Neuzulassungen. Diese lagen in den ersten fünf Monaten um 9,6% unter dem Vorjahresniveau. Kontraproduktiv waren neben der MwSt.-Erhöhung, die Klimadiskussion, die steigenden Fahrzeugnebenkosten und die hohen Benzinpreise. Für 2008 ist ein Wachstum des privaten Konsums von 1,2% prognostiziert. Das ist ein positives Signal. Allerdings dürfte bei einer Importquote von 60% des Einzelhandels dieses Wachstum zum großen Teil an den deutschen Konsumgüterherstellern vorbei gehen.
Handel und Konsumgüterhersteller müssen sich weiterhin auf eine unbefriedigende Branchenentwicklung einstellen. Um langfristig in diesem Umfeld in Deutschland erfolgreich zu sein, ist weiterhin ein striktes Kostenmanagement bei gleichzeitig hohem Qualitätsniveau notwendig.
Herzlichst
Dr. Jörg Winkler
Seite drucken