"Langfristig sind wir alle tot"
Konrad Pochhammer
Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt
Was lehrt uns der berühmte Satz von John M. Keynes: "In the long run we are all dead"? Können Sie sich noch an die Plakate des Bundestags-Wahlkampfs von 2005 erinnern? Danach war Deutschlands Wirtschaft mausetot und dieser Pessimismus wurde von den neoliberalen Kaderschmieden unserer tonangebenden Ökonomen gestützt. Wir seien zu verkrustet. "Sparen" und "Reformen" waren die Parolen.
Das alles ist erst 15 Monate her - dann kam die Überraschung. Unsere Wirtschaft erlebte zum Jahresende einen kräftigen und unerwarteten Aufschwung. Und im Gegensatz zu dem von der Opposition angekündigten Zusammenbruch des kleinen Aufschwungs in 2006 wegen der Anhebung der Umsatzsteuer von 16 auf 19%, rechnen alle auch für 2007 mit einem auskömmlichen Aufschwung. Mit der anspringenden Konjunktur kam auch die Wende auf dem Arbeitsmarkt. Seit Beginn 2006 wurden ca. 350.000 zusätzliche Stellen geschaffen und dieser Trend wird sich fortsetzen, glaubt man den Auguren.
Aber wie passt das alles zusammen? Es bleibt dabei, ein langfristiges Denken und Argumentieren passt nicht zum Kapitalismus. Der sich verstärkende Prozess der wirtschaftlichen Gesundung Deutschlands hängt damit zusammen, dass sich Deutschland dem rasanten Wachstum der boomenden Weltwirtschaft am Ende nicht mehr verschließen konnte. Die Unternehmer haben dies begriffen, und der Konsument scheint inzwischen auch davon überzeugt zu sein, wie die weiter anziehende Binnennachfrage zeigt. Die Banken öffnen sich wieder stärker dem Mittelstand und stellen diesem Geld für seine Investitionen bereit.
Und was hat die derzeitige Bundesregierung mit dem Aufschwung zu tun? Wahrscheinlich wenig bis nichts. Sie macht einstweilen weiter mit kleinlichem parteipolitischem Hickhack, wie z.B. bei der Gesundheitsreform. Der Finanzminister spart weiter (guter Mann!) und entdeckt, dass man sich auch bei Steuerschätzungen zu seinen Gunsten vertun kann. Das hält ihn aber nicht davon ab, zahlreiche Steuerbelastungen für Bürger und Unternehmen zu verabschieden.
Also: Es geht uns wieder besser und wir sehen für die Jahre 2007 und 2008 einer guten wirtschaftlichen Entwicklung entgegen, und wir lassen uns durch die Bundesregierung nicht die Laune verderben. Lassen Sie die doch weiterhin tüchtig streiten, dann sind sie wenigstens beschäftigt und erlassen keine unsinnigen Gesetze.
Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr 2007!
Ihr Konrad Pochhammer
Seite drucken